⚡ Das Wichtigste
- „Lässt sich dieses Teil kaltmassivumformen?“ ist beantwortbar — die Frage zerfällt in fünf prüfbare Stufen, nicht in eine Meinungsfrage.
- Stufe eins: der Umformgrad q. q = 1 − (d/D)², und der zulässige Wert fällt mit steigendem Kohlenstoffgehalt steil ab. Kohlenstoffarmer Stahl schafft 60–70 %, hochgekohlter Werkzeugstahl nur 20–30 %.
- Stufe zwei: die Anzahl der Hübe, festgelegt durch das freie Stauchverhältnis S = L/D. Bis 2,5 in einem Hub, 4,5 in zwei, 6,5 in drei.
- Stufe drei: die Schaftlänge. L/D unter 9,5–10 halten; eine geschlossene Matrize begrenzt die Schaftlänge auf etwa 8 Durchmesser, bevor der Auswerferstift knickt.
- Stufe vier: die Maschinenkapazität, beschrieben durch Drahtdurchmesser und Ablänglänge — nicht durch die Frage, welchen Kopf die Maschine machen kann.
- Stufe fünf: der Anlieferdraht. Die meisten Ausbeuteprobleme, die dem Werkzeug zugeschrieben werden, beginnen am Draht; der Stauchversuch bei q = 50 % weist es nach.
- Wirtschaftlichkeit ist eine separate Frage. Die Amortisationsmenge ergibt sich aus der Werkzeuginvestition geteilt durch die Stückkostendifferenz — oft etwa 18.000 bis 20.000 Stück.
- Diese Prüfungen gehören in die Zeichnungsphase. Ist die Matrize erst geschnitten, kostet der Wechsel von 9× auf 7× Schaft ein Vermögen; auf dem Papier kostet er nichts.
1. Die Frage in fünf Prüfstufen zerlegen
2. Stufe eins: Liegt die Umformung im Vermögen des Werkstoffs?
3. Stufe zwei: wie viele Hübe
4. Stufe drei: Schaftlänge und Schlankheit
5. Stufe vier: Größenlimits und Maschinenkapazität
6. Stufe fünf: erfüllt der Draht die Spezifikation?
7. Formgrenzen: was die Kaltmassivumformung gut kann
8. Wirtschaftlichkeit: ab welcher Stückzahl es sich lohnt
9. Eine Checkliste mit zehn Punkten
10. Zusammenfassung
11. Normen und Referenzen
1. Die Frage in fünf Prüfstufen zerlegen
„Lässt sich dieses Teil kaltmassivumformen?“ ist eine Frage, die weit häufiger gestellt als beantwortet wird. Die beiden üblichen Antworten sind Extreme: „Die Kaltmassivumformung kann alles“ oder „Matrize schneiden und ausprobieren“. Die erste ist unverantwortlich, die zweite teuer.
Tatsächlich ist die Frage quantifizierbar. Zerlegt man sie in fünf Prüfstufen, die sich berechnen oder nachschlagen lassen, wird die Antwort meist offensichtlich:
| Prüfstufe | Zu beantwortende Frage | Kriterium |
|---|---|---|
| Eins | Übersteht der Werkstoff diese Umformung? | Liegt der Umformgrad q unter dem zulässigen Wert des Werkstoffs? |
| Zwei | Wie viele Hübe, bevor Falten oder Risse entstehen? | Freies Stauchverhältnis S = L/D gegen die Grenzen für einen, zwei und drei Hübe |
| Drei | Ist der Schaft so lang, dass er sich biegt oder nicht ausgestoßen wird? | Schlankheit l/d gegen Ausstoßart und Matrizentyp |
| Vier | Überschreiten die Abmessungen die Maschinenkapazität? | Drahtdurchmesser, Ablänglänge, Umformkraft |
| Fünf | Erfüllt der angelieferte Draht die Spezifikation? | Technische Anforderungen an die Anlieferung und Stauchversuch |
Die Reihenfolge ist entscheidend: zuerst, ob das Teil gefertigt werden kann, dann, ob es sich zu fertigen lohnt. Ist eine der ersten vier Stufen eindeutig überschritten, führt der Weg direkt zum Drehen oder zu einem anderen Verfahren. Stufe fünf ist die klassische Quelle für „es geht, aber nicht reproduzierbar“ — viele Ausbeuteprobleme der Kaltmassivumformung wurzeln im Anlieferdraht, nicht im Werkzeug.
2. Stufe eins: Liegt die Umformung im Vermögen des Werkstoffs?
Der Umformgrad beschreibt, wie stark der Werkstoff in einem Umformschritt verändert wurde. Für das Stauchen gilt die Standarddefinition: die Querschnittsdifferenz vor und nach der Umformung, geteilt durch den Querschnitt danach, gleichwertig über die Höhe oder den Durchmesser ausgedrückt:
Dabei ist d der ursprüngliche Drahtdurchmesser, D der Stauchdurchmesser und h die Höhe. Bei konstantem Volumen sind die drei Formen gleichwertig; verwendet wird die jeweils günstigste.
Ein Beispiel: φ5 mm Draht, zu einem Kopf von φ10 mm gestaucht, ergibt q = 1 − (5/10)² = 75 %. Das ist eine erhebliche Umformung, und ob sie gelingt, hängt ganz vom Werkstoff ab.
Der Kernpunkt: Jeder Werkstoff hat eine Umformgrenze, und sie fällt mit steigendem Kohlenstoff- und Legierungsgehalt steil ab. Die folgenden Daten stammen aus der klassischen Versuchsliteratur zur Kaltmassivumformung.
| Werkstoff | Zustand | Erreichbares q | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Kohlenstoffarmer Stahl, C ≤ 0,45 % | D₀/H = 2,0 | 60–70 % | Hohe Umformung erreichbar; der Grundwerkstoff der Kaltmassivumformung |
| Mittelgekohlter Stahl, C etwa 0,5 % | Drei Hübe, ohne Zwischenglühen | 65–85 % | Der Kohlenstoffgehalt darf 0,5 % nicht überschreiten; darüber ist Erwärmen erforderlich |
| Hochgekohlter Werkzeugstahl, Y10 / Y12, 1,0–1,2 % C | — | Nur 20–30 % | Für die meisten Teileformen nicht ausreichend |
| Legierter Baustahl wie 40Cr | — | Vom Zustand abhängig | Der meistverwendete legierte Stahl in der Kaltmassivumformung; Legierungselemente beeinflussen die Duktilität weniger als Kohlenstoff |
| Wälzlagerstahl, Typ GCr15, 0,9–1,1 % C | Ein Hub | Niedrig | Nur für umformschwache Produkte wie Kugeln geeignet |
| Austenitischer Edelstahl | — | Machbar | Starke Kaltverfestigung; erfordert gestufte Umformung und kontrollierte Prozessführung |
| Nichteisenmetalle: Messing, Kupfer, Aluminium | — | Kaum Schwierigkeiten | Gute Eignung zur Kaltumformung |
Wie die Tabelle zu nutzen ist: Die Zielform in q umrechnen und mit dem zulässigen Wert des Werkstoffs vergleichen. Wird er überschritten, gibt es zwei Wege:
- Die Umformung stufen. Nicht in einem Hub auf Endmaß stauchen, sondern ein Glühen zur Wiederherstellung der Duktilität einfügen (Rekristallisationserweichung) und weiter umformen. Genau deshalb gibt es Ein-, Zwei-, Drei- und Vierhub-Kaltformer.
- Die Anlieferbedingung ändern. Weichglühen des Drahtes verbessert die Duktilität deutlich. Der Preis ist ein zusätzlicher Arbeitsgang, oft aber der einzige Weg, hochgekohlten Stahl überhaupt kalt umzuformen.
Warum die Umformung nicht unbegrenzt sein kann: Kaltmassivumformung ist per Definition Kaltverfestigung. Je größer die Umformung, desto weiter steigen Streckgrenze, Elastizitätsgrenze und Zugfestigkeit, und desto weiter fallen Bruchdehnung und Brucheinschnürung — die Duktilität wird verbraucht. Reicht sie zum Weiterumformen nicht mehr aus, reißt der Werkstoff. „Einfach fester pressen“ ist kein Einstellungsproblem, sondern ein physikalisches.
3. Stufe zwei: wie viele Hübe
Diese Stufe entscheidet über den Maschinentyp — Einzelhub oder Mehrfachhub — und über die Anzahl der Matrizenstationen. Kriterium ist das freie Stauchverhältnis S, die zu verformende Länge im Verhältnis zum Drahtdurchmesser:
| Freies Stauchverhältnis S = L/D | Erforderliche Hübe | Kommentar |
|---|---|---|
| S ≤ 2,5 | Eins | Im freien Zustand beherrschbar; eine geschlossene Matrize wird meist auf 2–2,5 begrenzt |
| 2,5 < S ≤ 4,5 | Zwei | Vor- und Fertigform — die klassische Anordnung mit zwei Hüben und einer Matrize |
| 4,5 < S ≤ 6,5 | Drei | Erfordert eine Dreihubmaschine oder drei Stationen; 6,5 ist mit einem mitlaufenden Stempel auch in zwei Hüben erreichbar |
| S > 6,5 | Mehr oder Mehrstationen | Mehrstationen sind durch die Stationszahl begrenzt; Werkzeuge wie eine konische Stempelform oder eine konische, mitlaufende Matrize erweitern den Bereich |
Warum es ohne Kontrolle schiefgeht: Im Moment des Stempelkontakts steht die zu verformende Länge frei und ungestützt aus der Matrize vor. Ist sie zu lang, knickt sie aus, statt zu stauchen, und das Metall faltet sich in sich selbst zu einer Falte — außen eine Riefe, innen eine Trennstelle. Das ist der gefährlichste Fehler der Kaltmassivumformung, weil er bei der späteren Wärmebehandlung oder unter Last zum Rissausgang wird.
Zwei weitere Faktoren treiben die Hubzahl über den Wert hinaus, den S erwarten lässt:
- Ein großer, dünner Kopf mit hohem D₁/H₁. L/D kann moderat sein, aber ein einzelner Vorstauchvorgang reißt den Kopfrand ein, sodass eine gestufte Umformung nötig wird.
- Enge Oberflächenanforderungen und komplexe Kopfformen, die zusätzliche Hübe verlangen, damit das Metall sanfter fließt.
Häufig übersehen wird außerdem ein Kriterium für die Querschnittsabnahme (Fließpressen). Hier wird nicht gestaucht, sondern dickerer Draht in einen Schaft heruntergezogen:
| Fließpressart | Maximale Querschnittsabnahme pro Zug | Maximaler Matrizenwinkel | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Offenes Fließpressen, Rohling in eine kleinere Matrize gedrückt | ≤ 30 % | ≤ 30° | Am häufigsten; Schrauben, Bolzen, Stufenwellen |
| Umschlossenes Fließpressen, Rohling vollständig eingeschlossen | Bis 75 % | — | Größere Verhältnisse von Kopf zu Schaft; Muttern, Hülsen, Hohlnieten |
Die Kombination beider Verfahren ist der Standardtrick: mit dickerem Draht beginnen, im ersten Hub den Schaft fließpressen und den Kopf vorformen, im zweiten Hub den Kopf fertigformen — „erst den Schaft fließpressen, dann den Kopf stauchen“. So ist ein großes Verhältnis von Kopf zu Schaft möglich, ohne an die Grenze von 2–2,5 für einfaches Stauchen gebunden zu sein.
4. Stufe drei: Schaftlänge und Schlankheit
Ob der Schaft sauber ausgestoßen wird, ist die am häufigsten übersehene Konstruktionsregel der Kaltmassivumformung, und ihre Folgen zeigen sich unmittelbar.
| Fall | Grenze | Folge und Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Freies Stauchverhältnis insgesamt | S = L/D unter 9,5–10 halten | Darüber erfährt der Schaft eine große Stauchkraft und knickt längs aus |
| Geschlossene Matrize mit Auswerferstift | Schaft nicht mehr als etwa 8 Durchmesser | Über 8d ist die ungestützte Länge des Auswerferstifts außerhalb der Matrize zu groß, und er verbiegt sich beim Ausstoßen; auf eine offene, aufklappbare oder mit Nocken öffnende Matrize wechseln |
| Schlanke Schäfte | Auswerferstiftdurchmesser in der Größenordnung von 1,5–2 d | Zu dünn, und der Stift knickt aus; Querschnittsabnahme pro Zug verringern und Stationen ergänzen |
| Sehr lange Schäfte | — | Offene Matrize oder zwei Aufspannungen mit Nachbearbeitung; Drehen prüfen |
Eine verwandte Regel zur Geradheit: Sobald der Rohling von der Matrizenachse abweicht, wird die Exzentrizität durch die Umformung um das Drei- bis Fünffache verstärkt. Rechtwinkligkeit der Trennfläche und Geradheit des Drahtes schlagen sich daher direkt in der Koaxialität des Fertigteils nieder — ein Problem der Drahtbeherrschung, nicht der Matrizenkonstruktion.
5. Stufe vier: Größenlimits und Maschinenkapazität
Dieselbe Form wird unmöglich, sobald sie groß genug wird. Der Grund ist die Umformkraft: Die Fläche wächst mit dem Quadrat der Größe, die Pressenkraft ist endlich.
| Limit | Klassischer Referenzbereich | Moderne Mehrstationen-Kapazität | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Drahtdurchmesser, Kugeln und Ähnliches | Über 22–26 mm ist warmgewalzter Stab oder Schrägwalzen erforderlich | Kaltumformung bis etwa 41 mm Abschnittdurchmesser | Harte Stähle sind früher begrenzt, weil sie höheren Druck benötigen |
| Ablänglänge | Begrenzt durch Stationen und Ausstoßhub | Bis 355–432 mm | Lange Teile begünstigen offene Matrizen und Mehrstationen-Anordnungen |
| Umformbare Querschnittsabnahme | Offen, 30 % pro Zug | Umschlossen, bis 75 % pro Zug | Siehe Stufe zwei |
| Maschinenklasse | Ein-, Zwei-, Dreifachhub | Bis sieben Stationen, Maschinen über 200 Tonnen | Stationszahl und Drahtdurchmesserbereich sind die zwei wesentlichen Auswahlparameter |
Eine leichte Fehleinschätzung: Die Maschinenkapazität wird durch Drahtdurchmesser und Ablänglänge beschrieben, nicht durch die Frage, welchen Kopf sie machen kann. Ein Kopf von φ30 mm aus φ12 mm Draht ergibt q ≈ 84 % und funktioniert nicht, während derselbe Kopf aus φ20 mm Draht q ≈ 55 % ergibt und unproblematisch ist. „Kann man diesen Kopf herstellen“ ist damit eine sinnlose Frage; die richtige lautet: aus welchem Draht, in wie vielen Hüben.
6. Stufe fünf: erfüllt der Draht die Spezifikation?
Wer die ersten vier Stufen besteht, hat ein geometrisch machbares Teil. Ob es reproduzierbar gefertigt werden kann, hängt vom Draht ab, und die Anforderungen sind strenger, als die meisten erwarten — und prüfbar.
Die klassischen Anforderungen an geglühten Draht für die Kaltmassivumformung. Der Eindruckdurchmesser ist der Kugeleindruck nach Brinell; ein größerer Wert bedeutet weicheren Werkstoff:
| Stahl | Eindruckdurchmesser, min (mm) | Härte, max HB | Zugfestigkeit σb, max (kgf/mm²) | Bruchdehnung δ, min (%) | Brucheinschnürung ψ, min (%) |
|---|---|---|---|---|---|
| 10 | 5.2 | 131 | 45 | 26 | 60 |
| 15 | 5.1 | 137 | 48 | 23 | 55 |
| 35 | 4.8 | 156 | 55 | 18 | 50 |
| 45 | 4.7 | 163 | 60 | 15 | 50 |
| 40Cr | 4.5 | 179 | 60 | 14 | 50 |
| 15CrV und ähnliche niedriglegierte Sorten | 5.0 | 143 | 45 | 20 | 60 |
Wie abgenommen wird: Neben dem üblichen Zugversuch hat die Kaltmassivumformung ihren eigenen — den Stauchversuch. Eine Probe mit doppelter Höhe gegenüber dem Durchmesser wird auf die halbe Höhe gestaucht, q = 50 %, und darf keine Risse oder Aufspaltungen zeigen. Bei Teilen mit höherer Umformung wird die Stauchung entsprechend der tatsächlichen Umformung des Teils erhöht.
Hinzu kommen harte Anforderungen an Oberfläche und Zusammensetzung:
| Punkt | Anforderung | Warum |
|---|---|---|
| Oberfläche | Sauber, zunderfrei | Zunder platzt beim Trennen ab, setzt sich zwischen Trennmesser und Matrize, wirkt wie Schmirgel auf Gleitflächen und führt zu Klemmungen |
| Innenfehler | Keine Porosität, Überlappungen, Risse oder Grate | Solche Fehler öffnen sich beim Stauchen und zerreißen das Teil |
| Schwefel | Bis 0,045 % für allgemeine Kaltmassivumformung; bei Muttern sind 0,08–0,12 % zulässig | Etwas höherer Schwefel verbessert das Spanbrechen bei geschnittenen Gewinden — bewusst eingestellt, kein Stahlwerksfehler |
| Mangan | Mindestens das Fünffache des Schwefels und nicht über 0,9 % | Mangan kompensiert die Warmbrüchigkeit durch Schwefel |
| Geglühte Härte | Eindruckdurchmesser vorzugsweise 4,2–4,6; Streckgrenze σT 28–34 kgf/mm², σb 48–60 kgf/mm², δ 15–20 % | Zu weich, und der Rohling verformt sich und füllt die Matrize nicht; zu hart, und er staucht nicht, die Standzeit bricht zusammen |
| Oberflächenbehandlung | Draht phosphatieren, wenn Kaltmassivumformung mit Kaltfließpressen kombiniert wird | Der Phosphatfilm trägt Schmierstoff und trennt Matrize und Metall, was den Verschleiß senkt |
Zum Phosphatierprozess: Eine typische Folge ist Entfetten → Kalt- und Warmwasserspülen → Phosphatierbad über 90 °C für 4–12 Minuten → Kalt- und Warmwasserspülen → Tauchbad aus Kalk und Seife → Trocknen und Ölen. Die Seifenschicht trägt Schmierstoff und unterstützt das Fließen des Metalls beim Stauchen.
7. Formgrenzen: was die Kaltmassivumformung gut kann
Nach fünf Stufen bleibt eine feinere Frage: Sieht die Form selbst wie ein kaltumgeformtes Teil aus? Die Kaltmassivumformung füllt einen Matrizenhohlraum durch Metallfluss, ihre Grenzen sind daher spezifisch.
Merkmale, die die Kaltmassivumformung gut beherrscht
| Merkmal | Kommentar |
|---|---|
| Zylinder und Stufenwellen | Mehrstationenmaschinen erzeugen mehrere Durchmesser an einem Teil, indem der Schaft fließgepresst und der Kopf gestaucht wird |
| Großes Verhältnis von Kopf zu Schaft | 2–2,5 in konventioneller Matrize, etwa 3 mit umschlossener Matrize, mehr mit kombinierter Umformung |
| Sack- und Durchgangslöcher | Durch indirektes Fließpressen geformt; üblich bei Muttern, Hülsen und Hohlnieten |
| Exzentrische und asymmetrische Körper | Machbar, erfordert aber sorgfältigere Matrizenkonstruktion und Abstützung |
| Gewalzte Gewinde | Kaltumgeformte Teile werden meist direkt gewalzt, was einen durchgehenden Faserfluss und höhere Festigkeit als bei geschnittenen Gewinden ergibt |
| Endkonturnähe | Reduziert nachfolgendes Bohren, Drehen und Entgraten |
Merkmale, die die Kaltmassivumformung schlecht oder nur mit Zusatzkosten beherrscht
| Merkmal | Problem | Alternative |
|---|---|---|
| Sehr dünner Flansch mit großem Durchmesser | Rand reißt ein; erfordert gestufte Umformung und zusätzliche Stationen | Blechumformung oder Drehen |
| Tiefes, enges Axialloch | Hub beim indirekten Fließpressen begrenzt; Stempel bricht | Flache Vertiefung formen, dann bohren |
| Seitliche Ansätze und Querrillen | Kollidiert mit der Ausstoßrichtung; die Kaltmassivumformung formt axial | Nachbearbeitung oder Umkonstruktion |
| Sehr langer Schaft, über 8d in geschlossener Matrize | Auswerferstift knickt aus; offene Matrize erforderlich | Offene Matrize oder Drehen |
| Sehr enge Toleranz, Klasse ±0,0025 mm | Die Kaltmassivumformung hält etwa ±0,025 mm; enger erfordert Nachbearbeitung | Endkonturnah umformen, dann feindrehen oder schleifen |
| Geschlossener Innenhohlraum | Die Kaltmassivumformung ist ein Massivumformverfahren und kann keinen geschlossenen Hohlraum erzeugen | Mehrteilige Montage, Gießen oder Zerspanen |
8. Wirtschaftlichkeit: ab welcher Stückzahl es sich lohnt
Machbar ist nicht gleich wirtschaftlich. Die Kaltmassivumformung hat eine Struktur mit hohem Vorlauf und niedrigen Stückkosten: Werkzeuge und Einrichtung fallen einmalig an, die Stückkosten sinken schnell mit der Stückzahl.
Eine beispielhafte Rechnung, mit den eigenen Zahlen einzusetzen: Angenommen, die Kaltmassivumformung erfordert 12.000 CNY für Werkzeuge und Einrichtung und spart gegenüber dem Drehen 0,65 CNY pro Teil. Die Amortisationsmenge liegt dann bei 12.000 ÷ 0,65 ≈ 18.500 Stück. Unterhalb dieser Jahresmenge zahlt sich das Werkzeug nie aus; deutlich darüber ist die Einsparung reiner Gewinn.
Drei weitere Positionen gehören in die Rechnung:
- Materialausnutzung: Die Kaltmassivumformung formt, statt zu zerspanen, die Ausnutzung liegt typisch über 95 %. Beim Drehen ist die Ausschussquote hoch — bei manchen Vollstiften verbraucht die gedrehte Variante das 8- bis 10-Fache des Materials der kaltumgeformten.
- Nachfolgende Arbeitsgänge: Kaltumgeformte Teile benötigen oft noch Gewindewalzen, Wärmebehandlung und Oberflächenfinish; ein hoher Anteil an Nacharbeit zehrt den Vorteil auf.
- Matrizenstandzeit: Bei harten Werkstoffen ist die Standzeit eine der entscheidenden Größen der Fertigungskosten. Je näher die Umformung an der Werkstoffgrenze liegt, desto schneller verschleißt die Matrize.
9. Eine Checkliste mit zehn Punkten
Zeichnung nehmen und diese zehn Punkte durchlaufen; zehn Minuten zeigen, ob sich das Projekt lohnt:
| Nr. | Prüfung | Bestehenskriterium |
|---|---|---|
| 1 | Umformgrad q berechnen | Unter dem zulässigen Wert des Werkstoffs; bei Überschreitung gestufte Umformung oder Weichglühen vorsehen |
| 2 | Freies Stauchverhältnis S = L/D berechnen | ≤ 9,5–10; Hubzahl aus den Grenzen 2,5 / 4,5 / 6,5 ableiten |
| 3 | Durchmesserverhältnis von Kopf zu Schaft prüfen | 2–2,5 konventionell; darüber umschlossene Matrize oder kombinierte Umformung |
| 4 | Querschnittsabnahme pro Zug prüfen | Offen ≤ 30 %; darüber auf umschlossenes Fließpressen wechseln |
| 5 | Schaftlänge und Ausstoß prüfen | Geschlossene Matrize ≤ 8d; darüber offene Matrize |
| 6 | Drahtdurchmesser und Ablänglänge prüfen | Im zulässigen Bereich der Maschine |
| 7 | Kohlenstoffgehalt bestätigen | C ≤ 0,5 % für 65–85 % Umformung in drei Hüben ohne Zwischenglühen |
| 8 | Zustand des Anlieferdrahtes bestätigen | Geglüht, frei von Zunder, Porosität, Überlappungen und Rissen; Stauchversuch bei q = 50 % ohne Riss bestanden |
| 9 | Toleranzanforderungen prüfen | Im Vermögen der Kaltmassivumformung, etwa ±0,025 mm; enger geht in die Nachbearbeitung |
| 10 | Stückzahl gegen die Amortisationsmenge schätzen | Jahresbedarf deutlich über der Amortisationsmenge |
10. Zusammenfassung
Die Eignung für die Kaltmassivumformung ist keine Erfahrungsfrage. Die Eignung ergibt sich aus physikalischen Randbedingungen: wie stark der Werkstoff umformbar ist, wie lang er ohne Stützung gestaucht werden kann, ob die Matrize ihn ausstoßen kann, ob die Maschine die Kapazität hat und ob der Anlieferdraht hält. Jede hat ein explizites Kriterium, und ihre Anwendung liefert eine Antwort.
Der nützlichste Punkt für Einkauf und Konstruktion ist, diese Kriterien in die Konstruktionsphase zu verlegen. Ist die Form festgelegt und die Matrize geschnitten, vervielfachen sich die Änderungskosten; auf der Zeichnung kostet es nichts, aus „großer dünner Kopf mit 9× Schaft“ einen „in zwei Stationen geformten 7× Schaft“ zu machen.
11. Normen und Referenzen
- Metal Cold Heading Technology (B. M. Misuzhnikov, übersetzt vom General Machinery Research Institute des Ersten Ministeriums für Maschinenbau): Definition und drei Formen des Umformgrads q; zulässige Umformung nach Werkstoff, darunter 60–70 % für kohlenstoffarmen Stahl bei D₀/H = 2,0, nur 20–30 % für Y10/Y12 und 65–85 % für Stahl bis 0,5 % C in drei Hüben; Hubzahl in Abhängigkeit vom Kohlenstoffgehalt; Anforderungen an den Anlieferdraht; der Stauchversuch bei q = 50 %; Phosphatierprozess; Glühstufen bei 400–500 °C zum Abbau und 550–650 °C zur Rekristallisation; Bestimmung von Rohlingdurchmesser und Matrizenbohrung.
- Cold Forming Basics: Industrial Fasteners: kontrollierte Stauchgrenzen von etwa 2–2,5 Durchmessern in geschlossener Matrize, 4,5 in zwei Hüben und 6,5 mit mitlaufendem Stempel in zwei Hüben; offenes Fließpressen bis 30 % Querschnittsabnahme pro Zug und umschlossenes bis 75 %; Matrizenwinkel bis 30°; Mehrstationen-Kombination aus Fließpressen und Stauchen.
- Determining Upset Count and Preform Design for Cold-Headed Parts: Stauchverhältnis S = L/D in Bändern von ≤ 2,5 für einen Hub, 2,5–4,5 für zwei und 4,5–6,5 für drei; ungestützte Schaftlänge L/D < 9,5–10; Schaft in geschlossener Matrize ≤ 8d und Bedingungen für offene Matrizen; Exzentrizitätsverstärkung von etwa 3–5×; konische Vorformstempel mit bestem Metallfluss bei 2β = 12–15°.
- ISO 898-1:2013, Mechanische Eigenschaften von Verbindungselementen aus Kohlenstoffstahl und legiertem Stahl, Teil 1: Festigkeitsklassen und Kohlenstoffgrenzen — C ≤ 0,55 % für die Klassen 4.6 und 4.8, C ≥ 0,15 % für Klasse 6.8, C ≤ 0,55 % mit Anlassen bei nicht unter 425 °C für die vergütete Klasse 8.8.
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