Schadensfälle und Qualität

Wasserstoffversprödung: Spätbruch an hochfesten Schrauben

📅 2026-10-13📖 ~14 Min.📚 Quelle: GB/T 3098.17-2000, ISO 15330, ISO 4042
#Wasserstoffversprödung#Spätbruch#Auslagerung#Dacromet

⚡ Das Wichtigste

  1. Was es ist: Hochfester Stahl nimmt Wasserstoffatome auf und versagt dann unter anhaltender Zugspannung — ein Spätbruch, der Stunden bis Wochen nach der Montage auftritt.
  2. Risikoschwelle: Zugfestigkeit ≥1.000 MPa (etwa Klasse 10.9 und höher) oder Härte ≥320 HV verlangen eine Beherrschung der Wasserstoffversprödung.
  3. Drei Quellen: saures Beizen, galvanische Verzinkung (Zink oder Zink-Nickel) und Phosphatieren.
  4. Normprüfung: GB/T 3098.17-2000, der Vorspannversuch mit parallelen Auflageflächen — 200 Stunden ohne Bruch.
  5. Vorbeugung: innerhalb von 4 Stunden nach dem Galvanisieren bei 190–220°C für 4–8 Stunden auslagern.
  6. Alternative Verfahren: Dacromet, Geomet und mechanische Verzinkung, bei denen keine Elektrolyse stattfindet.

1. Warum Wasserstoffversprödung so gefährlich ist

Wasserstoffversprödung ist ein Spätbruch: Die Schraube ist nach der Montage einwandfrei und versagt Stunden bis wenige Wochen später plötzlich unter statischer Last, ohne sichtbare plastische Verformung.

Typische Merkmale:

  • ebene, kristalline Bruchfläche (interkristalliner Bruch);
  • tritt unter Zugspannung auf — Druckspannung löst sie nicht aus;
  • je härter der Stahl, desto empfindlicher: unterhalb 1.000 MPa tritt sie selten auf, oberhalb 1.200 MPa steigt das Risiko steil an.
Reale Schadensfälle: Ankerbolzen für Sicherheitsgurte, Schrauben für Rotorblätter von Windenergieanlagen und Befestigungselemente im Hochgeschwindigkeitsverkehr, die ohne Auslagerung zur Wasserstoffentfernung galvanisch verzinkt wurden, sind nach Tausenden Kilometern im Einsatz versagt — Ereignisse mit Rückrufniveau.

2. Woher der Wasserstoff stammt

VorgangRisikoUrsache
Beizen in SäureHochSäure reagiert mit Eisen und setzt Wasserstoffatome frei, die in den Stahl diffundieren
Verzinkung / Zink-NickelHochWasserstoff entwickelt sich während der Elektrolyse an der Kathode
PhosphatierenMittelSäureangriff und Reaktionswasserstoff
Schweißen / BrennschneidenMittelFeuchtigkeit zerfällt und setzt Wasserstoff frei
Dacromet / GeometNiedrigTauch-Schleudern plus Einbrennen, keine Elektrolyse

3. Der Nachweis nach GB/T 3098.17

Norm: GB/T 3098.17-2000 / ISO 15330, mechanische Eigenschaften von Verbindungselementen — Vorspannversuch auf Wasserstoffversprödung mit parallelen Auflageflächen.

Verfahren:

  1. Die Probe in eine spezielle Vorrichtung einbauen und die Prüfkraft aufbringen (Vorspannung auf 80 % der Streckgrenze);
  2. mit parallelen Auflageflächen 200 Stunden halten;
  3. in Intervallen auf Bruch prüfen;
  4. nach 200 Stunden entlasten und auf Risse prüfen.

Abnahmekriterium: kein Bruch innerhalb von 200 Stunden, und nach dem Entlasten muss das Gewinde freigängig laufen, ohne sichtbare Risse.

4. Vorbeugung und Prozesskontrolle

4.1 Auslagerung nach dem Galvanisieren

  • innerhalb von 4 Stunden nach der galvanischen Abscheidung in den Ofen;
  • 190–220°C für 4–8 Stunden, auf die Härte abgestimmt;
  • je härter das Teil, desto länger die Auslagerung.

4.2 Substitution des Verfahrens

  • bei hochfesten Teilen Dacromet oder Geomet bevorzugen — keine Elektrolyse, kein Wasserstoff;
  • Edelstahl A2-70 und A4-80 ist von Natur aus weniger empfindlich;
  • langes Beizen in starker Säure vermeiden.

4.3 In der Konstruktion

  • Klasse 8.8 verwenden, wo Klasse 10.9 nicht erforderlich ist;
  • abrupte Querschnittsänderungen am Gewinde vermeiden;
  • Nachgalvanisieren vermeiden — jeder Nacharbeitszyklus bringt erneut Wasserstoff ein.

5. Häufige Fragen zur Auswahl

F: Muss eine galvanisch verzinkte Schraube der Klasse 8.8 ausgelagert werden? Grundsätzlich nicht (Härte unter 320 HV), Sicherheitsteile in der Automobiltechnik sollten jedoch ausgelagert werden.

F: Ist Dacromet wirklich wasserstofffrei? Die Beschichtung selbst kommt ohne Elektrolyse aus, die Vorbehandlung nutzt jedoch ein kurzes Beizen, sodass eine Auslagerung weiterhin empfehlenswert ist.

F: Wie lassen sich bereits montierte Schrauben prüfen? Zerstörungsfreie Prüfverfahren finden nichts; nur eine Chargenprüfung liefert eine Aussage.

🛠️ Engineering-Unterstützung: Jede gelieferte Schraube der Klasse 10.9 und 12.9 wird nach GB/T 3098.17 auf Wasserstoffversprödung geprüft.
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